Krankheitskosten werden budgetiert – Das Ziel: jährliche Steigerungen

Das Heilen von Krankheiten ist ein lukratives Geschäft, das Erzeugen und Aufrechterhalten von Krankheiten ist jedoch ein viel größeres.

Unternehmen, die im „Krankheitsmarkt“ tätig sind, geht es primär um Profitmaximierung im Interesse ihrer Aktionäre. Gerade so viel zu erwirtschaften, dass damit die Fixkosten abgedeckt sind, reicht selbstverständlich nicht, über kurz oder lang müssten die Unternehmen Konkurs anmelden.

Alljährliche Erhöhungen der Umsätze beziehungsweise der Gewinne lassen sich natürlich nur durch die Behandlung kranker Menschen erreichen. Die Pharmaindustrie sowie Krankenhäuser und Arztpraxen sind also davon abhängig, dass es kranke Menschen gibt.

Ein Beispiel: das Kinderspital Zürich

Der Verwaltungsratspräsident des Kinderspitals Zürich gab im Geschäftsbericht 2017 bekannt, dass sich der Umsatz des Spitals gesteigert hat und zudem deutlich mehr Patienten als im Vorjahr betreut wurden. Mit einem Zuwachs von über 5 Prozent – allerdings bei einem erneut rückläufigen „Case Mix Index“ (CMI) – das ist eine Formel zur Leistungsbeurteilung von Krankenhäusern aufgrund des Schweregrades von Behandlungsfällen – erhöhte sich der Ertrag um rund 4 Prozent. Damit lag das Ergebnis 2017 wieder über dem Budget.

Der Geschäftsführer drückte das so aus: „Dank zusätzlicher Kapazitäten und Personalressourcen konnten sowohl die stationären als auch die ambulanten Leistungen gesteigert werden. Trotz tieferer Tarife konnte der Patientenertrag gegenüber dem Vorjahr immer noch um 4 Prozent erhöht werden.“

Bei einer Firma, die Produkte zur Förderung oder zum Schutz der Gesundheit produziert, wäre ein solcher Anstieg durchaus lobenswert, aber Gewinne, die auf Kosten der Gesundheit von Kindern erzielt werden, können nur Zyniker als Erfolg werten.

Sicherlich sind nicht alle Maßnahmen, die bei Kindern im Kinderspital Zürich ergriffen werden, zu verurteilen. Zum Beispiel ist gegen notwendige Operationen infolge von Unfällen nicht das Geringste einzuwenden.

Umsatz vor Gesundheit?

Wenn die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit im Mittelpunkt stehen würde, müsste im Geschäftsbericht einer Gesundheitsinstitution ungefähr Folgendes zu lesen sein:

„Wir bedauern, dass wir Ihnen auch dieses Jahr mitteilen müssen, dass sich der Umsatz trotz der tieferen Tarifen um 5 Prozent erhöht hat. Das bedeutet, dass wir wesentlich mehr kranke Kinder behandeln mussten. Es zeigt sich, dass die Menschheit immer kränker wird und immer mehr Pflege und Behandlung bedarf. Wir müssen uns deshalb die Frage stellen, wie wir die Menschen grundsätzlich deutlich gesünder machen und unsere präventiven Maßnahmen wesentlich verbessern können. Denn so kann es nicht weitergehen. Es müssen wesentlich bessere Maßnahmen in der Medizin zur Verfügung stehen, damit die Menschen nachhaltig gesünder werden. Dazu ist die Politik aufgefordert, so viele krank machende Substanzen wie möglich aus dem Kreislauf ‚Natur und Mensch‘ zu entfernen. Dazu gehören natürlich auch die von uns verschriebenen Medikamente, Hormone und Impfungen.“

Es ist jedenfalls anzunehmen, dass die Leiter von Krankheitsinstitutionen über Boni am Umsatz beteiligt sind. Es liegt auf der Hand, dass sie nur dann Boni bekommen, wenn die Umsatzziele erreicht oder gar übertroffen werden. Daher ist deren Freude über eine Erhöhung der Umsätze zwar verständlich, aber in ethischer Hinsicht fragwürdig.

Daniel Trappitsch

Artikel erschienen im IMPULS Magazin Nr. 11/18