Das individuelle Gesundheitssparkonto

Eine nachhaltige und sinnvolle Möglichkeit, durchaus mit einem liberalen Gesundheitssystem zu kombinieren, ist das individuelle Gesundheitssparkonto. Denn der alljährliche Anstieg der Kosten hat nur wenig mit den eigentlichen Bedürfnissen der Patienten zu tun. Viel mehr werden die Kosten durch Überkonsum und Überangebot, Preisverzerrungen und strukturelle Ineffizienzen verursacht. Aber auch die sich weit verbreitete Haltung der Prämienzahler "Ich zahle die Prämie, also will ich auch etwas davon", sowie die fehlende Gesundheitskompetenz der meisten Menschen führen ebenfalls zu einem drastischen Anstieg der Kosten. Viele Arztbesuche wären nicht nötig. Auch viele Gänge in die Notfallaufnahme eines Spitals wären nicht nötig.[1] Es könnte anders und wesentlich kostengünstiger geregelt werden. Die Menschen müssten aber wieder lernen, Selbstverantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen.

In Singapur wurde 1984 das so genannte Gesundheitssparkonto eingeführt. Dieses System beruht auf Eigenverantwortung mit gezielter, einkommensabhängiger Hilfe für die wenigen Menschen, die die nötigen Ressourcen für eine ausreichende Gesundheitsversorgung nicht selbst aufbringen können. Singapur weist eine relativ niedrige Ärzte- und Krankenhausbettendichte auf. Die Anzahl der Krankenschwestern ist jedoch relativ hoch. Die Menschen in Singapur geben ihr eigenes Geld aus, nicht das aus einem Sozialtopf. Deshalb setzen sie es sehr gezielt und bewusst ein, sie schauen auf den Qualitätsvergleich der Institutionen und wählen sich ihre Behandlungen selber aus. Sie übernehmen Verantwortung, indem sie sich vorher informieren, was und wer ihnen am besten helfen kann. Eine wirksame effektive Krankheitsverhütung gehört natürlich ebenfalls dazu.

In Singapur zahlt jeder Bürger 7 bis 9.5 Prozent seines Lohnes in ein individuelles Gesundheitssparkonto ein. Die Beiträge werfen Zinsen ab und versumpfen nicht in einem Fass ohne Boden. Das einbezahlte Geld ist zweckgebunden und kann nicht für andere Zwecke verwendet werden. Aber es kann, sollte auf dem Konto nach dem Ableben des Versicherten noch ein Betrag vorhanden sein, vererbt werden. Eine Art Zusatzversicherung federt die kostenintensiven Erkrankungen oder Notfälle ab. Ebenso wurde das System so eingerichtet, dass ein Überkonsum nicht möglich ist. Eine relativ hohe Franchise[2] und eine Kostenbeteiligung von 20 Prozent[3] verstehen sich von selbst.

Diese nur kurze und unvollständige Zusammenfassung eines funktionierenden und kostengünstigen Systems zeigt auf, dass es möglich ist, ein Gesundheitssystem so zu betreiben, dass die Prämienzahler nicht monatlich unter der Prämienlast leiden. Nebst dem System muss aber auch der Mensch in seiner Eigenverantwortung gefördert werden. Dazu bedarf es einer vor allem wirtschafts- und auch staatlich unabhängigen Gesundheitsaufklärung. Das Bewusstsein muss diesbezüglich gefördert werden. Der Mensch muss sich eine Risiko- und Gesundheitskompetenz erarbeiten, die ihn zum Mitreden mit den Ärzten ermächtigt. Der mündige Patient erhebt sich und kann mit dem vom hohen Ross gestiegenen Arzt gleichberechtigt und auf Augenhöhe seine Anliegen besprechen und festlegen. Nur so entwickelt sich ein gesundes Arzt/Patient Verhältnis. Die Ansätze sind da. Es liegt an der Politik dies umzusetzen. Aber das Interesse der wirtschaftsgesteuerten Mehrheit in den Parlamenten ist nicht vorhanden. Also liegt es einmal mehr an der aufgewachten Bevölkerung entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Daniel Trappitsch

Auszug aus dem Buch "Medizin - heute und morgen - Auswege aus der Sackgasse Krankheit"

Nachtrag zur Sozialverträglichkeit:

Es wird bereits zu Beginn nur schon der Unterschriftensammlung von den Gegnern dieser Initiative behauptet, dass die Umsetzung der Initiative zu einem Sozialabbau führen würde, da viele irgendwie durch die Maschen des sozialen Gesundheitssystems fallen würden. Das ist grundsätzlich falsch und nicht zu Ende gedacht.

Denn nach der Annahme einer Initiative kommt es zur Ausarbeitung der Grundlagen, wie das Gesetz umgesetzt werden soll. Da allen Initianten der soziale Faktor ein wichtiges Anliegen ist, wird natürlich darauf geachtet, dass niemand durch die Maschen fallen wird, der es nicht freiwillig wählt. Denn es besteht die Möglichkeit auch kein Versicherungsschutz zu wählen. Dies ist aber freiwillig und die Verantwortung dafür muss dann auch diejenige Person selber tragen. Ausserdem wird ja das bestehende aktuelle System erhalten bleiben.

Kurz: jegliche Aussagen, dass mit der Einführung der Initiative der soziale Faktor massiv schwindet, sind ganz einfach falsch.

 

[1] http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/sind-wirklich-die-haelfte-aller-arztbesuche-ueberfluessig-a-1112312.html

[2] Die Franchise ist ein Betrag, welcher von den Versicherten zuerst selbst bezahlt wird, bevor die Krankenkassen die Kosten übernehmen. In der Schweiz gibt es eine Franchise-Abstufung von CHF 300/500/1000/1500/2000/2500, die jährlich selber übernommen werden. Je höher die gewählte Franchise, desto größer die monatliche Prämienreduktion.

[3] Verursacht ein Versicherter zum Beispiel für einen Arztbesuch mit anschließender Behandlung Kosten in der Höhe von CHF 5000.-, dann muss er von dieser Rechnung zuerst die Summe der gewählten Franchise (zum Beispiel CHF 500.-) und anschließend vom Restbetrag (CHF 4500.-) 20% selber bezahlen. In diesem Rechenbeispiel also insgesamt CHF 950.-.